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Pico - Pause am Rand des Kraters

Wanderung auf den Pico 3/5

Um 11.30 Uhr erreichen wir den Pfosten Nummer 29 auf einer Höhe von 1938 Meter über dem Meer. Hinter uns versperrt noch immer ein dickes Wolkenband den Blick auf die Küste sowie auch die Basisstation. Dennoch haben wir optimale Bedingungen. Auch lacht die Sonne nun schon wieder eine ganze Weile auf uns herab. Es ist angenehm warm, was uns neben den vielen Höhenmetern zusätzlich den Schweiß auf die Stirn treibt.

Im Vergleich zu den tieferen Lagen am Berg aber hat sich die Vegetation inzwischen gewandelt. Sie ist vor allem einiges spärlicher. Außer vereinzelten Grasbüscheln fällt uns vor allem die Azoren-Heide auf. Anders als an der Küste wächst diese hier nicht als Strauch, sondern bildet niedrige Polster. Zu den weiteren Spezialisten, die mit dem rauen Klima zurechtkommen, zählt der Thymian, der bei unserem Aufstieg im August in voller Blüte steht und Farbe in die sonst karge Landschaft bringt.

Vegetation am Pico
Pico - Blick hinauf zur Außenseite der Caldeira

Eine halbe Stunde weiter haben wir die dritte Gruppe überholt und begegnen uns mehrere Deutsche. Sie befinden sich bereits beim Abstieg zur Basisstation und geben uns beim Pfosten 38 zwei Versprechen mit: bis zum Kraterrand wären es noch 15 Minuten und oben solle uns eine traumhafte Sicht zu den anderen Azoren-Inseln erwarten. Zugleich merken sie an, dass man beim Aufstieg auf den Piquinho mit Schrammen rechnen muss. Um dies zu untermauern hebt ein Mann seinen leicht lädierten Finger.

Obwohl es auf dieser Höhe durchaus zehn Grad kälter sein kann als bei der Station, sind die Temperaturen nach wie vor angenehm. Das liegt zum einen an der Mittagssonne, die inzwischen auf uns niederbrennt. Zum anderen aber auch an dem Wind, der zwischenzeitlich zwar mal auffrischte, sich etwas unterhalb vom Kraterrand aber wieder zu einem lauen Lüftchen abschwächt. Guten Mutes und voll freudiger Erwartung nehmen wir so auch die letzten Höhenmeter hoch zur Caldeira in Angriff.

Heidekraut und Thymian unterhalb der Caldeira
Thymian
Wolken ziehen im oberen Bereich des Pico auf.

Bei Pfosten Nummer 45 gelangen wir tatsächlich eine Viertelstunde später an den Rand des Kraters. Der erwartete Blick auf den Piquinho lässt indes auf sich warten, da sich in der kurzen Zeit neue Wolken am Gipfel breit gemacht haben. Auch die Fernsicht zu den Nachbarinseln wird von den Wolken weitgehend verhindert. Dafür treffen wir auf die nächsten Deutschen, die den Wechsel von Wolken und Sonne schon eine Weile zusehen.

Wir folgen ihrem Tipp, einfach auf die nächste Lücke im Wolkenpaket zu warten, um einen ersten Blick auf den »kleinen Gipfel« zu erhaschen. Dabei sind wir froh, die Zeit bis zu unserer Rückkehr zur Basisstation mit 17 Uhr so großzügig bemessen zu haben. So können wir uns doch eine ganze Weile am Kraterrand aufhalten und erstmal zwei Schokoriegel futtern. Oder wie es so schön heißt: »Wenn's mal wieder länge dauert, nimm dir'n Snickers.«

der Piquinho im Spiel zwischen Nebel und Sonne
Blick in den Krater des Pico
VG Wort