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Breitachklamm bei Tiefenbach

Wanderung durch die Breitachklamm 1/4

»Kein Teufelswerk, sondern göttliche Schöpfung!« Mit dieser modernen Erkenntnis trieb der Tiefenbacher Pfarrer Johannes Schiebel 1904 die Erschließung der Breitachklamm voran. Ein Jahr später war die in Mitteleuropa einzigartige Schlucht für Besucher offen. Seitdem begeistert die Klamm Wanderer und Naturliebhaber gleichermaßen.

Die Entstehung der Breitachklamm ist eng mit der Eiszeit verbunden. Nachdem der Breitach-Gletscher das weichere Gestein abgetragen hatte und abgeschmolzen war, musste sich das Wasser neue Wege suchen. Dabei schnitt sich die Breitach bis heute auf einem zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt bis zu 150 m tief in den Felsen.

Eingang in die Breitachklamm
der ruhigere Abschnitt der Breitach unterhalb der Klamm

In der Enge reicht das aus, dass einige Klammwände das ganze Jahr im Schatten liegen. Auf ihnen siedeln zierliche Farne, verschiedene Moose und, auf den Vorsprüngen, selten auch Fichten, die mit den nassen und kühlen Bedingungen gerade noch zurechtkommen. Menschen hingegen mieden die unwirtliche Gegend lange Zeit.

Eine der frühesten überlieferten Expeditionen fand im Dezember 1857 statt. Allerdings nicht, um die damals noch Große Zwing oder Höllenschlucht genannte Klamm zu erkunden, sondern um einen zuvor geschossenen und in die Tiefe gestürzten Hirsch zu bergen. Ende des 19. Jahrhunderts scheiterte ein erster Versuch, die Klamm begehbar zu machen.

untere Abschnitt der Breitach
Johann Schiebel
zerklüftete Felsen in der Breitachklamm

Als Tiefenbach 1901 einen neuen Pfarrer bekam, wendete sich das Blatt. Der als mutig und klug beschriebene Johannes Schiebel ließ sich an einem Hanfseil in die Tiefe hinabgleiten, um die Breitachklamm zu erkunden. Was der Geistliche sah, war ein »Naturdenkmal von wilder Schönheit«.

Anstelle der gefürchteten Höllenschlucht sah er in der Klamm eine vielversprechende Einnahmequelle für die in Armut lebende Bevölkerung. Entgegen aller Bedenken und Einwände gelang es Schiebel, genügend Helfer und Geldgeber sowie zwei unerschrockene Sprengmeister zu gewinnen.

Feuersalamander an der Breitach
unterer Ausgang der Breitachklamm

Für die ersten Sprengungen wurden die Mineure an langen Seilen zu den Sprenglöchern hinunter gelassen. So wie die lange Lunte brannte, zog man sie augenblicklich wieder in Höhe, bevor ihnen das explosive Dynamit die Brocken entgegenschleuderte.

Trotz der gefährlichen Arbeit und – verglichen mit heute – einfachen Gerätschaften kam es bis zur ersten Begehung am 6. Mai 1905 zu keinem Unfall. Danach entwickelte sich die Breitachklamm rasch zu einem Besuchermagneten mit inzwischen 300.000 Besuchern im Jahr.

VG Wort
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