Anzeige

Besuch der Karo am Omo-River

Friedliches Volk im Süden von Äthiopien

Hoch oben, auf einem Plateau über dem Omo-River gelangen wir zu den Karo (auch Kara). Kaum haben sie uns bemerkt, kommen die ersten auch schon angerannt. Wird das wieder so eine stressige Fotoveranstaltung wie bei den Mursi? Nein, im Gegenteil.

Es sind nur die Kinder, die stolz ihren frischen Kopfschmuck aus Blüten der Wüstenrose präsentieren. Die Erwachsenen bleiben im Dorf und gehen weiter ihrer Arbeit nach. Während unsere Fahrer mal wieder ein zweites Frühstück aus einer guten Portion Injera genießen, können wir uns zwischen den Hütten umsehen.

in einem Dorf der Karo
der Friseursalon der Karo
Karo-Frauen am Omo-River im Süden von Äthiopien

Die Karo sind ein recht fröhliches Volk, die mit uns scherzen und lachen. Sie wohnen in igluförmigen Strohhütten. Ein paar korbähnlich geflochtene Hütten stehen auf Stelzen. Es sind wohl Korn- und Getreidespeicher und die Höhe schützt vor Ungeziefer. Die Karo leben vom Hirseanbau. In der trockenen Umgebung beim Omo-River ist das nur durch die jährlichen Überschwemmungen möglich. Für Rinderzucht ist die Landschaft hingegen zu dürr. Und das Vorkommen der Rinderpest übertragenden Tsetse-Fliege ist ein weiteres Hindernis.

Bei den Karo erkennen wir einige kulturellen Verwandtschaften mit den Hamer, wie die Ehe-Halsringe und weiteren Körperschmuck. Auch das Ritual des Bullensprung wird betrieben. Allerdings sind sie weniger vernarbt und tragen ihr Haar kurz. Wir können einen Friseur beobachten,wie er sorgsam die kurzen Stoppelzöpfe mit einer Rasierklinge von unnötigem Haarflaum befreit. Auffallend sind die durchstochenen Unterlippen. Dort wird alles durchgezogen, was möglich ist. Dünne, noch beblätterte Äste, Holz- oder Metallstäbe oder auch einfach nur die rosa Blüten der Wüstenrose. Zudem sind die Gesichter mit Naturfarben bemalt. Bei manchen ist es einfaches Geschmier, bei anderen sind es kunstvolle Punktmuster.

Karo-Kinder mit Blumenschmuck
der Karo-Friseur
Karo-Mädchen

Bei unserem Besuch bleibt auch die Stimmung gut, schon alleine, weil die Karo einiges friedlicher wirken als die Hamer. Das einzig störende ist der bewaffnete Mann, der sich wichtig tuend auf seine Leute aufpasst. Die Karo haben mit ihren Nachbarstämmen Frieden geschlossen, was wichtig für so ein kleines Volk ist.

Bei der steigenden Zahl moderner Feuerwaffen sind die auftretenden Konflikte zwischen den Völkern sehr gefährlich. Da können wir nur hoffen, dass das Frieden stiftende Beispiel der Karo Schule macht und irgendwann alle Völker im Süden Äthiopiens den Wert einer vielschichtigen Bevölkerung erkennen.

Karo-Mutter
Karo-Mutter mit Baby
Karo-Mutter mit Kind
VG Wort