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Mursi - das Volk der Tellerlippen

In einem Mursi-Dorf angekommen, wollen wir eigentlich deren Kultur kennenlernen. Da das gesamte Dorf auf unsere Geländewagen zurennt, ergreifen wir zunächst die Flucht. Zwischen den kleinen Strohhütten ist bald nichts mehr los,

sodass wir uns ein Bild vom Lebensraum der Mursi machen können. Der Local-Guide ist mit uns geflohen. So haben wir jetzt einen nützlichen Übersetzer und eine Infoquelle.

Hütten in einem Mursi Dorf im Mago Nationalpark in Äthiopien
in einem Mursi Dorf im Mago Nationalpark - Äthiopien

Die Mursi selbst waren Nomaden und sind immer noch Hirtenvölker. Bekannt ist das Volk durch die typischen Tellerlippen der Frauen. Die Mädchen bekommen spätestens im Alter von 15 Jahren von der Mutter die Unterlippe durchstochen. Dieses Loch wird dann nach und nach durch immer dickere Stöcke erweitert. Sobald die Öffnung groß genug ist,

kommen die Teller zum Einsatz und die vorderen, unteren Schneidezähne müssen weichen. Früher war der soziale Stand und der Brautwert abhängig von der Tellergröße. Ob das heute noch so ist wissen wir nicht, da wir einigen Frauen auch ohne diesem Schmuck begegnen. Was aber alle haben, sind die vielen Schmucknarben.

Tellerlippen-Frau der Musi mit Baby
sieht komisch aus, wenn der Teller weg ist
nicht alle Mursi-Frauen haben eine Tellerlippe

Nach einer Weile begegnen wir im Dorf auch wieder Frauen, da nicht alle zu den Autos gerannt sind. So bekommen wir viel nettere Motive. Bei den Mursi muss für jedes Foto bezahlt werden, was für sie eine gute – und oft wichtigste – Einnahmequelle ist. Man sollte sich nicht vor einer Bezahlung drücken,

schon alleine um Ärger zu vermeiden. Da sich Filmen im leeren Dorf nicht rentiert hätte, ist Lars mit dem Fotografieren beschäftigt, während ich die Rechnung begleiche. Eine solche Arbeitsteilung erspart uns den Stress, den andere abbekommen.

in einem Mursi-Dorf in Äthiopien
Mursi-Dorf im Mago Nationalpark in Äthiopien

Von den Männern halten wir uns fern. Zum einen stört mich die Bewaffnung mit Gewehren. Zum anderen ist bekannt, dass sie ihr Fotogeld später in billigen Schnaps eintauschen und sich besaufen. Ist wohl ein weltweites Problem unter den Naturvölkern.

Als wir zurück zu den Jeeps kehren, wird es dann doch kurz stressig. Einige der Mitreisende sitzen schon wieder im Auto, da ihnen der Trubel und das Betteln zu viel ist. Jeder will Geld verdienen und fotografiert werden, ob alt oder jung.

Tellerlippen-Frau der Mursi mit falschem Kopfschmuck
Mursi-Frauen in Äthiopien
Mursi-Mädchen in Äthiopien

Besonders aufdringlich sind Mütter mit Kleinkindern. Sobald die Kamera auf sie gerichtet ist, wird das Baby vom Rücken schnell nach vorne gezogen und somit ist der Preis erhöht. Trotz allem ist der Besuch bei den Mursi ein Erlebnis.

Schöner wäre es allerdings, wenn sie sich natürlich geben würden und im Dorf blieben. So ist die kurze Runde, die wir zu den Hütten und den wenig im Dorf verbliebenen Frauen gemacht haben, die schönste Erfahrung, die wir aus dem Mago Nationalpark mitnehmen.

VG Wort
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