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Hamer und die ausgepeitschten Frauen

Hässliche Narben als Trophäen

Kühe und Bullen werden auf den Sprungplatz getrieben
vor dem Bullensprung in Äthiopien

Die Rinder und tanzenden Hamer-Frauen führen uns zu einem baumfreien Plateau. Ein paar der Maza folgen uns. Der Initiator indes wird noch versteckt gehalten. In dem heillosen Durcheinander aus Rindern, Touristen und Hamer bildet sich wieder eine singende und trötende Frauengruppe heraus. Einzelne Frauen blasen in das Blechhorn und fordern die Maza auf, sie auszupeitschen. Im Gesicht des Mannes zeigen sich indes kaum Regungen.

Ob die Maza dabei Freude verspüren oder sich doch nur dem Jahrhunderte alten Brauch unterordnen, wagen wir nicht zu beurteilen. Sicher aber ist, dass die dünne Peitsche dann doch ein ums andere Mal durch die Luft sirrt, eh sie blutende Wunden auf dem nackten Rücken der Frau hinterlässt. Auch wenn es völlig unmenschlich wirkt (und auch ist), ist das für die Frauen ein wichtiger Bestandteil des Brauchs. Manche lachen dabei fröhlich, während andere ein eher verkniffenes Gesicht ziehen.

Die Hamer-Frauen werden vor dem Bullensprung ausgepeitscht.
Beim Auspeitschen der Hamer-Frauen vor dem Bullensprung
Die Narben einer Hamer-Frauen - je mehr umso mehr Ansehen hat sie.

Während wir mit einem Gastgeschenk unsere Achtung zeigen, verfügen die Hamer-Frauen über keinen Besitz, den sie dem Initiator schenken könnten. Das auspeitschen lassen ist somit ein Zeichen ihrer Verbundenheit und Zuneigung. Die dabei entstehenden Narben werden als kostbare Trophäen betrachtet.

Um diese noch hervorzuheben, schmieren die Frauen eine Flüssigkeit darauf, sodass sich die Wunden entzünden und wulstiger werden. So lässt sich mit einem Blick auf den Rücken erkennen, welche der Frauen schon öfters an solch einer Zeremonie teilgenommen haben und welche noch »frisch« dabei sind.

Mit viel Radau lassen sich die Hamer-Frauen auspeitschen.
und die Kühe warten auf den Bullensprung

Immer wieder rennen die Frauen zu den Maza und fordern sie heraus, während die Maza die meiste Zeit eher reglos auf dem Plateau stehen, die Peitsche fest in ihrer Hand. Zum Teil wirkt es, als müssen die Frauen darum drängen, weiter ausgepeitscht zu werden. Saust dann die lange Gerte nach unten und streicht über den Rücken, lachen ein paar sogar weiter und bedanken sich. Als wäre nichts geschehen. Als gäbe es keinen Schmerz und kein frisches Blut, das in dünnen Fäden über die zerfetzte Haut rinnt.

Ganz so ist es aber wohl doch nicht. Ein junges Mädchen neben mir dreht sich beschämt weg und fängt an zu weinen, nachdem es die Prozedur tapfer erduldet hat. Sie versteckt sich und versucht, ihre Tränen vor unseren Augen zu verbergen. Sie tut mir Leid und ich würde sie liebend gerne in den Arm nehmen. Das lasse ich aber besser bleiben. Zu groß ist die Angst, von den Maza ebenfalls mit einem Peitschenhieb bedacht zu werden. Wie die anderen Frauen darauf reagieren, wage ich mir nicht einmal auszudenken.

Manchen Frauen macht das gar nichts aus - aber nicht allen.
Hamer-Frau mit Auspeitschwunden
Später wird um die Kühe getanzt.
VG Wort
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