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Mirador de Chío |
Auch wenn uns keiner so recht Hoffnung machen konnte, fahren wir nachmittags nochmals in den Nationalpark. Ab dem Parkplatz beim Montaña Sámara heißt es dann: langsam fahren, Augen auf und das dunkle Lavagestein abgesucht. Fast schon im Schritttempo lenke ich unseren zweiten Leihwagen über die TF38 Richtung Mirador de Chío. Im Auto herrscht Ruhe. Natürlich, hoffen wir doch alle, zumindest die Rucksäcke zu finden. Zugleich wissen wir, dass wir nur eine reelle Chance haben, wenn sich die Banditen ihrer so schnell wie möglich wieder entledigt haben.


Was soll ich sagen? Kaum meint Hans-Werner: “Wir fahren noch bis zum nächsten Parkplatz.”, als er und Annette gleichzeitig rufen: “Da liegt was!” In der Tat, keine 200 Meter vor dem Mirador de Chío finden wir unseren gelb leuchtenden Rucksack auf dem dunklen Gestein. Das Portemonnaie fehlt genauso wie meine Ersatzkamera, aber zumindest steigt die Hoffnung, auch den zweiten Rucksack zu finden. Auch das gelingt. Das heißt, nachdem Marlis zu Annette meint, dass nun wir sämtlichen Wanderproviant schleppen müssten, sucht Annette die dunkle Landschaft so lange mit Adleraugen ab, bis sie schließlich den schwarzen Lederrucksack meiner Eltern findet.


Das Bargeld und meine Ersatzkamera bleiben verschwunden, aber zumindest die Portemonnaies samt der gesperrten Visacard und die anderen Gegenstände haben die Ganoven zurück in den Rucksack gelegt und während der Fahrt aus ihren Pkw geworfen. Damit lässt sich der Schaden doch deutlich mindern, zumal ich meine Fotoausrüstung in Hinblick auf unsere Reise nach Costa Rica extra hatte versichern lassen. Dass der Versicherungsfall innerhalb der EU eintritt, hätte ich zwar nicht gedacht, aber das ist dann wohl auch egal.
Schade ist damit eigentlich nur, dass fast ein ganzer Tag dadurch im Eimer ist. So bin ich - da ich beim Auto bleibe - dann auch der einzige, der das Naturschauspiel am Rande des Hochplateaus bemerkt. Eigentlich schade, denn das Spiel der Wolken- und Nebelschwaden, die immer wieder vom Westen in die Berglandschaft vordringen und sich in der untergehenden Sonne zum Teil wieder auflösen, ist wirklich atemberaubend.

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