Auto auf Parkplatz aufgebrochen

Tja, ein Spaziergang mit wenigen Minuten, davon die meiste Zeit in Sichtweite des Parkplatzes, hat gereicht. Unser Leihwagen ist aufgebrochen. Mit irgendeinem Gegenstand haben die Gangster das Fenster bis zum Bersten unter Spannung gesetzt. Danach ging wohl alles ganz schnell: nach hinten durchgegriffen, die Abdeckung weggeschoben bzw. die Rückenlehne vorgezogen, beide Rucksäcke geschnappt und danach L’Tour - nichts wie weg.
Damit ist nun guter Rat teuer und fallen uns eine ganze Menge “hätte” ein, welche dies hätte verhindern können. Nun sind wir aber alle vier an dem Unglück schuld. Dem nicht genug, findet sich auf einmal kein Deutscher mehr auf dem Parkplatz und bekommen die Spanier, welche uns zu helfen versuchen, keinen Handyempfang. Also rein ins Auto und zurück zur Finca. Neben etwas Bargeld, dem Wanderproviant und meiner Ersatzkamera befindet sich nämlich auch der Schlüssel zu unserem Casa Azul in einem der Rucksäcke.

da fehlt wohl eine Scheibe
so ein Sch...!!!

Wieder bei der Finca, bekommen wir vom Gärtner einen Ersatzschlüssel. Da er den Vermietern Bescheid gibt, meldet sich der Junior bald bei uns (nachdem die Visa-Card gesperrt ist). Nachdem er uns erzählt, dass wir ungeschickt waren, empfiehlt er uns, nicht zur Polizei zu gehen. Da diese genug anderes zu tun hätte, würde sie das nicht interessieren und gäbe es auch keine Chance, die Sachen wieder zu bekommen. Für den Ersatzschlüssel  reiche es, wenn wir ihm fünf Euro geben.
Ebenfalls keine oder nur geringe Chancen sieht der Mitarbeiter von Bahia-Rent-a-Car. Seine erste Bemerkung am Telefon: “Oh, diesmal die vordere Scheibe...” Weit blicken lässt, dass Glasbruch nicht in der Versicherung eingeschlossen ist. So kassiert er, als er mit einem klapprigen Polo (der rechte Teil der hinteren Rückenlehne ist defekt) zu uns fährt, zunächst 300 Euro Selbstbeteiligung ab, bevor die Wagen getauscht werden.

bei der Polizei in Las Américas
Polizeistation von Las Américas

Die Polizeistation von Playa de las Américas ist leicht zu finden. Als einzige Hilfe können uns die Beamten jedoch nur eine Telefonnummer geben (902102112), bei der unsere Anzeige auf Deutsch angenommen wird. Vorausgesetzt, die Dolmetscher sind nicht alle im Gespräch. Als wir, wieder bei der Finca, nach etwa zwei bis drei Stunden endlich durchkommen, fragt eine Frau aber alles ganz genau ab (Passnummer bereit halten) und gibt uns eine Nummer, unter der wir die Anzeige in las Américas binnen drei Tagen abholen können.
Das tun wir am nächsten Nachmittag, wobei wir eine halbe Stunde warten müssen, ohne dass die Beamten auch nur irgendetwas gearbeitet haben - ich habe sie durch ein eigentlich zugehängtes Guckloch beobachten können. Bis ich dann von einem anderem Polizisten einen Rüffel kassiere und wir einen Moment später bedient werden, das heißt, unsere Anzeige x-fach ausgedruckt und von mir unterschrieben wird.

Wolkenstimmung im Nationalpark
diese Wolken hätten nicht früher kommen dürfen

Wieso so etwas passiert? Natürlich wissen wir, dass man keine Wertgegenstände im Auto lässt. Genauso, wie jeder weiß, dass eine Sprudelflasche übersprudeln kann, wenn man nicht aufpasst. So wird es also immer wieder Momente geben, in denen man arglos unterwegs ist. Da das ganz besonders für die Morgenstunden gilt, in denen der Urlauber unternehmenslustig ist, ohne dass er schon überall an Bosheiten denkt, sind vor allem in dieser Zeit Banden unterwegs, welche nur auf Wanderer warten, die zum Beispiel “nur mal schnell ein paar Meter laufen wollen”.
Da diese Banden täglich unterwegs bzw. auf der Suche nach Fahrzeugen mit nicht einsehbarem Kofferraum, Jacken auf der Rückbank (es müssen keine Wertgegenstände im Auto liegen, sondern es reicht der Verdacht) sind, bräuchte es nur ein paar Lockvögel, um sie dingfest zu machen. Weil der Einbau von Pkw-Scheiben aber genauso einen Wirtschaftszweig darstellt wie das erbeutete Bargeld, hat auf Teneriffa keiner großes Interesse daran, die Diebe zu schnappen. Der Hinweis, dass es sich nicht lohne, eine Anzeige zu erstatten, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Insel einzig an einer offiziell niedrigen Quote interessiert ist.
Was kurzsichtig und dumm ist. Denn was z.B. uns betrifft, haben wir ab dem Tag drauf verzichtet, in feinen Restaurants Essen zu gehen, sondern uns in der Finca selbst superlecker versorgt. Genauso wie wir die geplanten Klamotten- und Mitbringseleinkäufe haben ausfallen lassen. Als Folge haben wir im Urlaub insgesamt deutlich weniger Geld ausgegeben als eingeplant war.

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© Lars Freudenthal