|
Minka zieht ein |
Wer in ein Tierheim geht, um sich eine Katze auszusuchen, sollte am besten eine nehmen, die auf ihn zuläuft. Mit anderen Worten: oft suchen nicht wir die Katze aus, sondern die Katzen suchen sich aus, zu wem sie wollen. Besser noch als im Tierheim klappt dies in der freien Wildbahn, also den Wohngebieten am Stadtrand. Bevor wir Minka kennen lernten, lebte sie allerdings schon ein halbes Jahr in unserer Gegend.


Es war eine Familie in der Nachbarschaft, welche sie aufgelesen und aufgepäppelt hatte. Wo sie genau herkam, weiß von uns keiner. Nur, dass sie auf einmal da war und sich in einem miserablen Zustand befand: das Fell stumpf, am Bein eine frische Narbe und viel zu klein mit viel zu großen Ohren. Das ist kein Aussehen, mit dem man auf Brautschau - oder eben Heimatsuche geht. Nein, Minka hat sich ein halbes Jahr vor uns versteckt, bevor sie auf einmal da saß. Und das mitten auf der Straße.


Annette hat sie natürlich genommen und auf den Gehweg in Sicherheit gesetzt. Ich selbst habe das gar nicht groß beachtet (meine Frau bückt sich nach jeder Katze). Am nächsten Tag aber miaute es ganz entsetzlich vor unserer Wohnungstür. Und da saß sie. Minka ist durch das gekippte Fenster im Keller gesprungen und ist bis ins zweite Obergeschoss gelaufen, um uns zu adoptieren. Einmal habe ich sie herunter getragen. Etwas später habe ich sie das zweite Mal aus dem Haus geworfen. Beim dritten Mal bin ich schließlich Katzenfutter kaufen gegangen. Ihre “Ich-ärmste-bin-halb verhungert-Masche” kannte ich ja nicht.
|