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Reisebericht Marokko |
Von der Mellah fahren wir nach Fès el-Bali, der Altstadt oder auch die Medina. Im ältesten Teil der Stadt heißt es bummeln, schauen und staunen - und sich nicht zu verirren. Denn das Gassengewirr kann ortsunkundigen schnell zum Verhängnis werden. Für uns heißt das: bloß nicht Mohammed aus den Augen verlieren. Denn nicht genug, dass ständig irgendwo eine (Sack-) Gasse abzweigt, herrscht in einigen Vierteln bereits am frühen Vormittag reger Betrieb.


Damit uns dieser nicht zum Verhängnis wird, bringt uns Mohammed erstmal das wichtigste Wort innerhalb der Medina bei: Ballak! Sobald wir das hören, sollen wir schleunigst zur Seite springen und aufpassen, dass wir nicht von einem Esel oder Muli über den Haufen gerannt werden. Die nämlich haben in der Medina Vorfahrt. Für den Begriff “attention” gilt übrigens dasselbe.



Es gibt aber auch sichere Bereiche in der Altstadt, wie zum Beispiel im Geschäftshaus der Familie Guernani. Das erste, was uns in dem Geschäft auffällt, ist die Vielzahl glänzend polierter Messing- und Silberteller, die sich in den Auslagen stapeln und überall an den Wänden hängen. Vom Prunk noch überwältigt fällt unser Blick auf einen älteren Herrn. Mit Hammer und Meißel klopft er scheinbar unermüdlich feine Muster in einen Metallteller, den er auf Knie und Amboss balanciert.


Auf den ersten Blick erscheint dies nichts Ungewöhnliches zu sein. Erst als wir einen deutschen Zeitungsartikel an der Wand entdecken, kommen wir ums Staunen nicht mehr herum. Denn genau vor uns sitzt eine lebende Legende. Es ist Ahmed Guernani. In Marokko gilt er als unbestrittener Meister des Ziselieren, der Ende der 1960er Jahre mit nur einer Hand voll Mitarbeiter die sieben golden schimmernden Messingtüren des Sultanspalastes von Fès geschaffen hat und der seine Muster auch heute noch ohne Stempelvorlage ins Metall schlägt.
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