Reisebericht Kapverden - Santiago

Wanderung von Assomada an die Ostküste von Santiago, Teil 3

ein Waschesel
Blick zurück in die Berglandschaft Santiagos

Auf dem letzten Stück frage ich mich, wie das von Sibylle gemeint war, als sie am frühen Morgen meinte, wir könnten zwischendurch ein Stück fahren? In dieser Gegend gibt es keine Autos - und auch die Straßen, die sie befahren könnten, sind rar gesät. Denn immer wieder führt uns Kiki über schmale, steile Pfade. So wird die sechste Stunde mühsam. Die Sonne brennt auf uns nieder, Annette mag nicht mehr und ich gelang zu der Überzeugung, dass Kiki nicht wandert, sondern marschiert. Nach drei Jahren Erfahrung als Wanderführer weiß er, wie hoch das Tempo sein muss, um das Ziel pünktlich zu erreichen. Das Problem ist nämlich, dass am Samstag abends nur sehr wenige Aluguers an der Ostküste Santiagos verkehren, sodass wir nicht später als 16.30 Uhr an der Küstenstraße ankommen sollen.

über Pfade
Tabakpflanzen
über alte Verbindungsstraßen
Wanderweg  von Assomada an die Ostküste von Santiago

Als wir das Tal erreichen (und vom Meer noch immer weit und breit nichts zu sehen ist), wird es wärmer. Oder besser: es wird heißer. Bei Temperaturen um die 30 Grad trösten wir uns damit, am ersten Tag gleich mit der längsten und anstrengendsten Tour begonnen zu haben. Zugleich verlegt sich Annette auf die Strategie, Kiki auf die Schuhe zu gucken, um nicht den endlosen Weg sehen zu müssen. So laufen beide an einem Kapverdischen Eisvogel (Kingfisher oder auch Graukopfliest) vorbei, dessen Gefieder blau in der Sonne strahlt, als er davonfliegt. Es ist Zeit für Scherze. Als uns die drei Liter Wasser ausgehen, schaut Kiki bestürzt: “Was, ihr habt nichts mehr? Es sind noch fast drei Stunden...” Nein, natürlich nicht, sondern nur knapp 30 Minuten.

immer noch Berge
Esel
Bachlauf auf der Straße

Nach insgesamt 6 Stunden, 45 Minuten ab Cruz Grande, um 16:15 Uhr, erreichen wir die Straße. Dort müssen wir eine Weile warten, bis uns ein Bus nach Calheta mitnimmt. Dort aber werden wir von den Gästen im Esplanada Silibell bewundernd, fast ehrfürchtig empfangen. Irgendwie kapiere ich es erst gar nicht, dass alle wissen, wo wir herkommen und was wir heute geleistet haben. Dass wir dann noch so früh zurück sind, hätte keiner gedacht. Mir ist es gleich, ich hab’ Durst!

Video: Poilón, Assomada und Wanderung zur Ostküste

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© Lars Freudenthal