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Kanutour durch den Nationalpark

Weit schöner ist es da, mit dem Kanu durch die Kanäle zu paddeln. Vor allem, wenn dies auch noch unverhofft geschieht. So laufen wir am ersten Nachmittag nur zufällig in Richtung Anleger, als mich ein Mexikaner zu Hilfe ruft, um ein Ruderboot ins Wasser zu hieven. Als er uns fragt, ob wir nicht auch ein Boot nehmen wollen, dauert es nur einen Augenblick und wir sind gerüstet: keinen Mückenschutz, keinen Regenschutz, aber Paddel sind schnell zur Hand und los geht’s!

auf geht´s! Tortuguero-Kanal nahe der Turtle-Beach-Lodge

Verglichen mit dem Motorboot ist die Fahrt herrlich! Leise gleitet das Kanu durch das dunkle und ruhig daliegende Wasser, vorbei an Palmen und Wasserhyazinthen. In der Ferne hören wir einen Brüllaffen schreien und ab und zu kracht es im Blätterdach, wenn ein Affe von einem Ast zum nächsten springt. Als wir die Einfahrt zur Turtle Beach Lodge hinter uns lassen und nach rechts in einen größeren Kanal biegen, beginnt es zu regnen. In der Wärme ist dies aber gut zu ertragen.

Klammeraffe Wegweiser zur Schildkrötenstrand-Lodge

Etwa eine halbe Stunde nach Aufbruch werden wir für unser ruhiges Verhalten belohnt: Direkt neben uns turnen zwei Klammeraffen durch die dichte Vegetation. Zufällig geraten wir zwischen den beiden, so dass sie für einen Moment getrennt sind. Während sich der eine nicht an uns vorbei traut, wartet der andere auf ihn. Natürlich nicht, ohne uns verärgert anzuschauen. Das wollen wir natürlich nicht und fahren langsam wieder aus dem Dickicht heraus. Für ein paar Bilder müssen sich die beiden dann aber doch gedulden... (-;

das neben uns einzige Paddelboot weit und breit

Am Abend empfiehlt uns Eloy, den größeren Kanal weiter nach rechts zu fahren, um dann über einen schmalen Durchlass zur Lagune zu rudern. Die Fahrt würde sich allein wegen der Kaimane lohnen, die sich dort aufhalten. Auch wären wir da so gut wie alleine, weil die Turtle Beach Lodge abseits der anderen Hotels liegt und der Kanal zur Lagune zu eng und flach für Motorboote wäre.
Gesagt, getan. Schön ist, dass sich das Ruderboot für uns ungeübte Wassersportler leichter lenken lässt als das Kanu - und außerdem bequemer ist. So kommen wir doch zügig voran und finden auch die Abzweigung zur kleinen Lagune.

Blüten am Wasser
Annette beim Paddeln

Danach ist die Fahrt sehr entspannend. Denn zwischen dem breiten Kanal und dem Meer herrscht eine sachte Strömung, die uns langsam mit in Richtung Lagune nimmt. Nicht einmal lenken müssen wir. Die Spitze des Boots zielt zwar ab und zu auf Wurzeln und Stämme, dreht dann aber wieder in die Mitte des Wasserlaufs. So könnte es gerne weitergehen und Annette meint noch, das ist ja wie im Freizeitpark.
Dann kommt ein kleiner Zufluss auf der rechten Seite. Und einer auf der linken Seite. Langsam nimmt das Boot Fahrt auf. Dann kommen nochmals zwei Zuflüsse von rechts und ein weiterer von links. Nun werden wir immer schneller, bis wir schließlich genug Tempo drauf haben, dass sich der Bug nicht mehr zurück in die Mitte bewegt, sondern wir ins Dickicht krachen.
Was vielleicht auch ganz gut ist. Denn hinter uns tauchen zwei Motorboote auf, welche das Hochwasser nutzen, um zur Lagune zu kommen.

Im Dickicht parkend, lassen wir sie passieren. Anderes wäre uns eh nicht mehr möglich gewesen. Denn vor uns mündet bereits der nächste Bach in den Durchfluss. Damit ist klar, wenn danach noch einer kommt, wird die Strömung zu stark.
Also wenden wir und kämpfen uns gegen die mörderische Strömung zurück.
Gemein ist, dass es bei den Zuflüssen Engstellen gibt, durch die wir es kaum hindurchschaffen. Einmal fahren wir trotz heftigen Paddeln rückwärts und wenig später dreht sich das Boot einfach, ohne uns zu fragen...!

oh je...

Als wir die schlimmsten Stellen bewältigt (und einen Großteil unserer Kräfte verbraucht) haben, kommen uns die Mexikaner vom Vortag entgegen. “Stop, stop!”, ruft Annette, um sie zu warnen, da dreht sich auch schon ihr Boot und treibt quer in unseres hinein. Dann sitzen wir fest. Nun gut, wir können die Spanier mit unserem Boot irgendwie an die Seite drücken, die Blockade aufheben und an ihnen vorbei rudern.
Schließlich sind wir aber doch froh, als die beiden Motorboote von der Lagune zurückkommen und uns arme Ruderer per Anhalter mit in den breiteren Kanal nehmen. Wir hätten es zwar aus eigener Kraft geschafft, wären dann aber wohl platt wie Flunder gewesen. Abgesehen davon, dass wir ja noch zur Turtle Beach Lodge zurückrudern müssen, wo unser kleines Abenteuer endet.

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© Lars Freudenthal

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