Reisebericht Borneo

Willkommen bei den Iban

Am ersten Abend erleben wir eine Überraschung. Anstelle des erwarteten kargen Essens bereitet Nixon jede Menge Sachen für uns zu. Hühnchen, Schwein, Reis, mehrere Arten Gemüse und auch frittierte Bananen stehen auf dem Speiseplan fürs Abendessen. Damit alles rechtzeitig fertig wird, helfen mehrere Frauen in der Küche und schälen nach seiner Anweisung das Gemüse. Als Dessert gibt es unter anderem Papaya. “Ich koche sehr gerne”, erklärt er. Außerdem habe er bei unserem Veranstalter für solche Sachen ein deutlich besseres Budget als andere.

Iban-Langhaus in Sarawak auf Borneo
Nixon beim Kochen

Die Menge Essen, die uns aufgetischt wird, hat aber noch einen zweiten Grund. So können wir uns zwar nehmen, so viel wir wollen, später aber setzen sich noch andere Leute - nicht nur Nixon und unser Fahrer - an den Tisch. So wird in mehreren Schichten gegessen und ab und zu geschaut, was nachgelegt werden muss, damit jeder satt wird.
Genauso üppig sieht das Frühstück aus. Rührei, Butter, Heinz Marmelade und abermals frittierte Bananen hatten wir mitten im Dschungel nicht erwartet. Vor der ersten Nacht und dem ersten Morgen aber werden wir erst einmal offiziell Willkommen geheißen.

Willkommens- und Hochzeitstanz der Iban-Frauen
Tochter des Iban-Häuptlings
kostbares, kunstvoll gestaltetes Messer der Iban

Im Mittelpunkt der Begrüßung steht der Willkommenstanz. Eigentlich ist es ein Hochzeitstanz, der - wenn ich den Häuptling richtig verstanden habe - erst nach der Hochzeit von dem Paar getanzt wird. Ihre anmutigen Bewegungen sollen ihm dabei zeigen, dass es überhaupt keinen Sinn macht, sich noch nach anderen Frauen umzuschauen. Denn sie ist ohnehin die beste. Sein eher kriegerischer Tanz soll ihr im Gegenzug zeigen, dass er mit der Waffe umzugehen weiß. Er ist ein starker Jäger, dem es nicht schwer fallen wird, seine Familie zu ernähren und zu beschützen.

Gruppenfoto mit den Tänzern der Iban
unerwartet reich gedeckter Frühstückstisch am nächsten Morgen

Nach dem Tanz werden die Gastgeschenke an den Häuptling übergeben. Viele Urlauber nehmen irgendwelche Süßigkeiten mit, die alle paar Tage zwischen den einzelnen Familien (oder Kindern) aufgeteilt werden. Von den Erwachsenen mit deutlich mehr Respekt behandelt werden hingegen Schulhefte und Stifte für die Kinder sowie Seife und solche Sachen. Auf Rat von Nixon haben wir allerdings die Parfümproben behalten, da sie nicht für alle Frauen gereicht hätten.

Video: Leben im Langhaus und Willkommenstanz der Iban

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© Lars Freudenthal