|
Reisebericht Blaue Reise |
Am Nachmittag erreichen wir Arykanda, eine auf fünf Terrassen angelegte Siedlung, die als eine von 23. Städten zum lykischen Bund zählte. Auch wenn sich die ältesten Funde erst ab dem 6. Jahrhundert vor Christus belegen lassen, weist die Endung “anda” auf eine Gründung aus dem 2. Jahrtausend vor Christus hin.
Auch wenn seit nunmehr über 30 Jahren fleißig ausgegraben wird, sind die Arbeiten noch lange nicht abgeschlossen. So berichtet der griechische Dichter Pindaros von einem Tempel des Sonnengottes Helios-Sozon in Arykanda, der weiter oben an den Hängen des 3000 Meter hohen Berges “Kizlar Sivrisi Tepe” vermutet wird, bislang aber noch nicht gefunden wurde.
Als die Türken 1971 mit der Ausgrabung begannen, haben sie eine der wohl beeindruckendsten antiken Städte zutage gefördert. Allerdings zählten hierzu leider auch mehrere Mosaiken, welche die Jahrhunderte fast schadlos überstanden hatten, um anschließend durch die Unvernunft der Besucher weitestgehend zerstört zu werden.
Welch Bedeutung Arykanda bereits in der Antike gehabt haben muss, verdeutlichen Berichte des griechischen Historikers Arrianos, wonach Alxander der Große oder zumindest seine Truppen im 4. Jahrhundert vor Christus hier vorbeigezogen sind.
200 Jahre später beginnt die römische Herrschaft und Arykanda wird sehr wahrscheinlich von Kaiser Hadrian besucht.
In den nächsten Jahrhunderten wird die Stadt mehrmals durch Erdbeben erschüttert. Erhält Arykanda beim großen Erdbeben im Jahre 141 finanzielle Unterstützung durch Opramos aus Rhodiapolis, erlässt Gordianus III nach dem Beben vom 5. August 240 den lykischen Städten das autonome Münzprägungsrecht, um den Wiederaufbau zu unterstützen.
Als in Lykien Ende des 4. Jahrhunderts die Christianisierung einsetzt, wird Arykanda byzantinischer Bischofssitz. Bereits im 5. Jahrhundert bebt allerdings erneut die Erde. Viele Einwohner verlassen darauf die Stadt und errichten in der Nähe des heutigen Catallar eine neue Siedlung.
Nach verstärkten Arabereinfälle im 7. und 8. Jahrhundert siedeln abermals Städtebewohner in andere Orte um. Warum die Stadt im 11. Jahrhundert aufgegeben wurde, ist allerdings bis heute unbekannt und Arykanda verschwand aus der Geschichte, um im Jahr 1838 durch den Endländer Charles Fellows wiederentdeckt zu werden.
|